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Phillip Catterfeldt

SÜßE KÜSSE IM PLÄTZCHENTEIG VEREWIGT

Mit Angela Dorrer mundgeformte Skulpturen für Weihnachten backen

Manche der Prominenten, die Angela Dorrer in den letzten Jahren angesprochen hat, fanden es eklig, drehten sich weg und wollten mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Doch erstaunlich viele machten mit. Sie nahmen ein kleines Stück Teig in den Mund, formten es mit den Lippen, der Zunge oder ihren Zähnen, schluckten aber nicht, sondern gaben die so entstandene Teigskulptur zurück und ließen sie zu einem Plätzchen backen. Hannelore Elsner schlug ihre markanten Eckzähne in den Teig. Nina Ruge formte ein Herz – mit den Händen –und biss es dann leicht an. Alfons Schubeck wies eine Assistentin an, ein Teigröllchen zu formen, dem er dann mit dem Mund den letzten Schliff gab. Nach und nach konnte Angela Dorrer so die Entstehungsgeschichten von mehr als 50 Promi-Cookies dokumentieren und die süßen Mundskulpturen fotografisch für die Ewigkeit festhalten. Im September letzten Jahres versteigerte die 1969 in Kanada geborene Künstlerin die Keksskulpturen von Julian Nida-Rümelin, Ilja Richter, FLATZ und Dr. Motte für vergleichsweise preiswerte 100,- Mark je Keks. Im Januar fährt die Absolventin der Münchner Kunstakademie mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes allerdings nach Los Angeles, um sich auf roten Teppichen an Hollywood-Prominenz anzupirschen. Dann wird sich die Künstlerin, die sich selbst auch mit Paparazzi-Fotografen vergleicht, mit einer ganz anderen Art von Fans konfrontiert sehen, mit Leuten, die für ein Bruce-Willis- oder Halle-Berry-Cookie vermutlich alles tun würden. Doch letztlich werden ja bei 180 Grad Backtemperatur auch die letzten Speichelreste verdampft, und auch alle Arten von Viren oder Bakterien neutralisiert. Ein Handschlag ist also mit ziemlicher Sicherheit eine unhygienischere Angelegenheit, von Bussi-hier, Bussi-da mal ganz abgesehen. Und doch erinnert ein mundgeformter Keks einfach an den Austausch von Körperflüssigkeiten. Ein Zungenkuss – Verhaltensforscher leiten ihn von dem Kleinkind vorkaünden Mutterkuss her – ist im Vergleich zu einem Keks eben doch eine relativ vergängliche Angelegenheit. So gesehen sind Küsse in Plätzchenteig gepackt – vielleicht nicht nur für Fernbeziehungen – eine schöne, sehr intime und gar nicht so eklige Geschenkidee. Angela Dorrer veranstaltet sogar Kauparties mit öfters wechselndem Kekskonsum vor. „Es hat mit persönlicher Grenzziehung zu tun, von wem man einen Keks isst, wo die Grenze gesetzt wird, beim Partner, beim Verwandten, beim Nachbarn. Ich bin immer wieder erstaunt bin, wie gut diese Kauparties bei den unterschiedlichsten, teils sogar sehr konservativen Menschen ankommen. Meistens essen die Teilnehmer im Laufe des Abends auch Kekse, die von anderen, ihnen nicht bekannten Personen im Mund geformt wurden. Es wird also ziemlich exzessiv, und meistens ist es recht lustig.“ Zum Verzehr des Kussgebäcks empfehlen wir ein wenig Glühwein, um unnötige Hemmungen zu verlieren – die Ansteckungsgefahr ist, wie gesagt, minimal, solange man nicht gleichzeitig und sehr leidenschaftlich in denselben Keks beißt.

Andorrer-Cookies Rezept

150 g Mehl, 150 g Mondamin, 75 g weißer Zucker, 75 g Puderzucker, 125 g Butter, 1 Ei, Prise Salz, 1/4 TL Zimt

bei Zimmertemperatur rasch zu Teig kneten. Sollte nicht klebrig sein – eventuell am Ende nochmal mit ein wenig Mondamin überstäuben. Formen.
180 Grad, 10 - 15 min: fertig – wenn sie hellbraun sind und zu duften beginnen. Enjoy!

aus: „Süße Küsse im Plätzchenteig verewigt“, Philipp Catterfeld in: Münchner Merkur, December 24/25, Germany

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